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Interview führen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Reporter

Sarah Johnson

Sarah Johnson

Schreibt über Außendienst, Gesprächsnotizen und sprachbasierte Arbeitsabläufe bei ParrotNotes. Jeder Artikel wird vor der Veröffentlichung vom ParrotNotes-Produktteam geprüft.

Interview führen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Reporter

Daniela bekam 40 Minuten mit dem Leiter des städtischen Wohnungsamts. Sie stellte alle 14 Fragen auf ihrer Liste, eine nach der anderen. Zurück am Schreibtisch hörte sie auf der Aufnahme einen höflichen Mann, der nichts Zitierfähiges sagte. Der eine Moment, in dem er zögerte („nun, der Zeitplan ist eine andere Frage“), war ihr entgangen, weil sie schon bei Frage neun war. (Daniela ist ein zusammengesetztes Beispiel, keine echte Reporterin.)

Die meisten Reporter kennen diesen Nachmittag. Die Liste war gut. Das Interview nicht, denn eine Liste mit Fragen ist noch kein Interview.

Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie als Reporter ein Interview führen: vorbereiten, Fragen bauen, die Geschichten liefern, Spielregeln festlegen, nachfragen, Schweigen nutzen, die harte Frage stellen und sauber abschließen. Am Ende steht ein Ablaufplan, den Sie in Ihr Notizbuch übernehmen können.

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Ein Interview führen in acht Schritten

  1. Recherchieren Sie die Person und alles, was bereits öffentlich gesagt wurde.
  2. Schreiben Sie einen einseitigen Plan mit ausformulierter harter Frage.
  3. Bauen Sie eine Fragenleiter von leicht und offen bis konkret und hart.
  4. Legen Sie die Spielregeln fest und holen Sie vor der Aufnahme die Einwilligung ein.
  5. Hören Sie auf die Nachfrage, statt die nächste Frage abzulesen.
  6. Nutzen Sie Schweigen. Zählen Sie bis fünf, bevor Sie sprechen.
  7. Stellen Sie die harte Frage fair und mit genug Zeit für die Antwort.
  8. Schließen Sie ab und prüfen Sie Namen, Zahlen und Zitate.

Vor dem Interview: Recherche und ein einseitiger Plan

Gute Interviews werden am Schreibtisch gewonnen. Lesen Sie frühere Artikel, öffentliche Unterlagen, Reden und Dokumente. Suchen Sie nach dem, was schon öffentlich bekannt ist, damit Sie keine Minuten darauf verwenden, und nach dem, was fehlt oder sich widerspricht, denn dort liegt Ihre Geschichte.

Schreiben Sie dann einen einseitigen Plan, kein Skript:

  • Die Geschichte in einem Satz. „Der Fonds für Mietzuschüsse war im Juni leer, und niemand hat es den Antragstellern gesagt.“
  • Die drei Dinge, mit denen Sie gehen müssen. Ein Datum, eine Erklärung, eine Reaktion.
  • Die harte Frage, Wort für Wort ausformuliert. Sie stellen sie besser, wenn Sie die Worte schon gefunden haben.
  • Namen und Zahlen zum Bestätigen. Funktion, Schreibweise, die Zahl im Haushalt des Vorjahres.

Der Ethikkodex der US-Journalistenvereinigung SPJ fordert Journalisten auf, „wann immer möglich Originalquellen zu nutzen“ (alle Zitate aus SPJ und AP in unserer Übersetzung). Das Interview ist oft genau diese Quelle.

Fragen, die Geschichten liefern statt Ja oder Nein

Eine Frage, die man mit „Ja“ beantworten kann, wird meist auch so beantwortet. Offene Fragen beginnen mit wie, warum, was ist passiert, erzählen Sie mal, führen Sie mich durch. Geschlossene Fragen nutzen Sie nur, um eine Tatsache festzuzurren, die Sie schon vermuten.

Die Reihenfolge zählt so viel wie die Formulierung. Diese Fragenleiter funktioniert für die meisten Nachrichten- und Reportage-Interviews:

StufeZweckBeispielfragen
1. AufwärmenDie Person über etwas reden lassen, das sie gut kennt„Wie sind Sie zur Leitung dieses Amts gekommen?“
2. OffenDie Geschichte in eigenen Worten erzählen lassen„Erzählen Sie mir, was im Juni passiert ist.“
3. KonkretAus der Geschichte druckbare Fakten machen„Wann haben Sie gesehen, dass der Fonds knapp wird? Wem haben Sie es gesagt?“
4. HartKritik oder Widerspruch vorlegen„Antragsteller sagen, niemand habe ihnen mitgeteilt, dass der Fonds leer war. Warum nicht?“
5. AbschlussAuffangen, wonach Sie nicht zu fragen wussten„Was hätte ich Sie fragen sollen, habe es aber nicht getan?“

Schreiben Sie acht bis zwölf Fragen, nicht zwanzig. Die besten entstehen aus den Antworten.

Spielregeln festlegen: on the record, Hintergrund, off the record

Quellen und Reporter meinen mit diesen Begriffen oft Unterschiedliches, also klären Sie sie ausdrücklich. Die News Values and Principles der Nachrichtenagentur Associated Press (Abschnitt „Anonymous Sources“) definieren sie so:

BegriffWas AP darunter versteht
On the record„Die Information kann ohne Einschränkung verwendet werden, mit namentlichem Zitat der Quelle.“
Background (Hintergrund)„Die Information kann veröffentlicht werden, aber nur unter mit der Quelle ausgehandelten Bedingungen.“ Meist mit einer Beschreibung der Funktion statt eines Namens.
Deep Background„Die Information kann verwendet werden, aber ohne Quellenangabe.“ Die Quelle wird gar nicht erkennbar.
Off the record„Die Information darf nicht veröffentlicht werden.“

AP sagt außerdem, Reporter sollten Interviews „unter der Annahme führen, dass sie on the record sind“, Bedingungen sollten „zu Beginn des Interviews ausgehandelt werden“, und am Ende solle der Reporter „noch einmal versuchen“, das im Hintergrund Gesagte on the record zu bringen. Wo die Regeln Ihrer Redaktion abweichen, gelten die Regeln Ihrer Redaktion.

Anonymität sollte selten sein. Der SPJ-Kodex sagt, sie sei „als letztes Mittel“ Quellen vorbehalten, deren Informationen „von erheblichem öffentlichem Interesse“ sind und die „Gefahr, Vergeltung oder anderen Schaden“ fürchten müssen, und man solle „die Motive prüfen, bevor man zustimmt, eine Quelle nicht zu nennen“.

Ein Skript für die Spielregeln:

„Bevor wir anfangen: Dieses Interview ist on the record, ich darf Sie also namentlich zitieren. Wenn Sie etwas im Hintergrund oder off the record sagen möchten, sagen Sie es mir vorher, und wir klären, was das bedeutet. Ich würde das Gespräch gern aufnehmen, damit ich Sie genau zitiere. Ist das in Ordnung?“

Holen Sie die Einwilligung ein, bevor Sie auf Aufnahme drücken, und halten Sie das „Ja“ auf der Aufnahme fest. Die Regeln für Aufnahmen unterscheiden sich je nach Land und US-Bundesstaat; unser Artikel zur Ein-Parteien-Zustimmung in den USA erklärt die US-Grundlagen, und Interview aufnehmen behandelt Einrichtung und den Einwilligungssatz auf Band.

Die Aufnahme gibt Ihnen die Freiheit, die Person anzusehen statt Ihr Notizbuch. Mit ParrotNotes sind Transkript und Zusammenfassung kurz nach dem Stopp bereit.

Während des Interviews: zuhören, nachfragen, Schweigen nutzen

Legen Sie den Plan jetzt beiseite und hören Sie zu. Die nützlichste Frage ist oft die, die Sie nicht aufgeschrieben haben, und sie taucht nur auf, wenn Sie der Antwort zuhören, statt die Liste zu lesen.

Achten Sie auf Signale: eine Einschränkung („irgendwie“), einen Themenwechsel, eine Zahl ohne Quelle, einen einmal fallen gelassenen Namen, ein emotionales Wort. Jedes davon ist eine Tür. Öffnen Sie sie, bevor Sie weitergehen.

Formulierungen für Nachfragen

Wenn Sie hören ...Versuchen Sie ...
Eine vage Antwort„Wie sieht das in der Praxis aus?“
Eine Behauptung„Woher wissen Sie das?“ oder „Woher stammt diese Zahl?“
Eine allgemeine Aussage„Können Sie mir ein Beispiel nennen?“
Eine Emotion„Wie war das für Sie?“
Einen Namen„Wer war noch in dieser Besprechung?“
Eine Einschränkung„Sie sagten ‚irgendwie‘. Welcher Teil stimmt nicht?“
Eine Nicht-Antwort„Ich möchte sicher sein, dass ich Sie richtig verstehe. Ist das ein Ja oder ein Nein?“
Etwas Wichtiges„Erzählen Sie mehr darüber.“

Schweigen gezielt nutzen

Wenn eine Antwort endet, warten Sie. Zählen Sie im Kopf bis fünf, bevor Sie sprechen. Menschen mögen keine Gesprächspausen, und viele füllen sie mit dem Teil, den sie zurückgehalten haben. Halten Sie auch Ihre eigenen Fragen kurz: fragen, dann schweigen.

Knappe Notizen, auch wenn Sie aufnehmen

Schreiben Sie Randzeichen, keine Sätze: einen Stern, wo ein starkes Zitat fällt, ein Fragezeichen für eine zu prüfende Tatsache, „OTR“, wenn die Person off the record geht. Unser Artikel über Reporter-Notizbuch und Sprachnotizen (auf Englisch) zeigt, wie Sie beides kombinieren.

Die harte Frage stellen

Jedes kritische Interview hat eine Frage, die die Quelle nicht hören will. Stellen Sie sie. Der SPJ-Kodex sagt, Reporter sollten „ausnahmslos und gewissenhaft“ den Betroffenen einer Berichterstattung „eine faire Gelegenheit geben, auf Kritik oder Vorwürfe zu antworten“. Genau das ist die Aufgabe der harten Frage: Sie gibt der Quelle die Chance zu antworten, bevor Sie veröffentlichen.

So stellen Sie sie gut:

  • In der zweiten Hälfte, mit genug Zeit für eine Antwort und eine Nachfrage.
  • Mit den Worten aus Ihrem Plan. Neutral, konkret, ohne Adjektive.
  • Benennen Sie, woher die Kritik kommt. „Drei Antragsteller haben mir gesagt ...“ ist fairer und schwerer auszuweichen als „Stimmt es nicht, dass ...“.
  • Fragen, dann schweigen. Weicht die Person aus, formulieren Sie einmal neu. Ein zweites Ausweichen ist Ihre Antwort, und darüber können Sie berichten.

Markus hatte ein 30-minütiges Telefonat mit dem Pressesprecher eines Schulträgers über verspätete Schulbusse. Er hob die harte Frage für Minute 28 auf, und das Gespräch endete mit dem Versprechen, „per E-Mail nachzuliefern“. Die E-Mail beantwortete die Frage nie. Bei der nächsten Geschichte fragte er in Minute 15 und bekam eine vollständige Antwort plus eine Nachfrage. (Markus ist ein zusammengesetztes Beispiel.)

Seien Sie behutsamer, aber nicht nachgiebiger, mit Menschen, die keine Erfahrung mit der Presse haben. SPJ verlangt „erhöhte Sensibilität“ gegenüber Opfern von Straftaten, Jugendlichen und Quellen, die „unerfahren oder nicht in der Lage sind, einzuwilligen“.

Das Interview abschließen und Zitate prüfen

Wie Sie das Interview beenden, entscheidet darüber, wie viel davon Sie verwenden können.

  1. Stellen Sie die Abschlussfrage. „Was hätte ich Sie fragen sollen, habe es aber nicht getan?“ und „Mit wem sollte ich noch sprechen?“
  2. Kommen Sie auf alles im Hintergrund Gesagte zurück und versuchen Sie, wie AP rät, es on the record zu bringen.
  3. Bestätigen Sie die Fakten. Buchstabieren Sie den Namen zurück; bestätigen Sie Funktion und jede Zahl.
  4. Fragen Sie, wie Sie die Person erreichen, falls Rückfragen kommen.
  5. Bedanken Sie sich. Versprechen Sie keine Zitatfreigabe, wenn Ihre Redaktion das nicht vorsieht.

Markieren Sie innerhalb einer Stunde die drei stärksten Zitate, listen Sie die noch zu prüfenden Fakten auf und sichern Sie die Aufnahme. Prüfen Sie dann jedes Zitat Wort für Wort gegen das Audio: In Interview zitieren steht, was Sie ändern dürfen, und Interview transkribieren erklärt, wie aus dem Band Text wird.

Priya interviewte einen Fischkutter-Kapitän auf Spanisch für einen deutschsprachigen Artikel. Sie nahm mit ParrotNotes auf, las das ins Deutsche übersetzte Transkript und prüfte jedes Zitat vor der Abgabe gegen das Originalaudio. (Priya ist ein zusammengesetztes Beispiel.) ParrotNotes Pro deckt 99+ Sprachen mit Übersetzung und Sprechererkennung ab, und die KI-Suche findet einen Satz in all Ihren Notizen.

Ablaufplan für ein 45-minütiges Interview

Übertragen Sie das auf die Innenseite Ihres Notizbuchs:

ZeitWas zu tun ist
0:00–0:03Small Talk. Spielregeln. Einwilligung auf Band. Namen buchstabieren lassen.
0:03–0:10Aufwärm- und offene Fragen. Mehr zuhören als schreiben.
0:10–0:25Konkrete Fragen. Jedem Signal folgen. Nach Antworten bis fünf zählen.
0:25–0:35Die harte Frage, in Ihren geplanten Worten. Einmal nachfragen.
0:35–0:40Auf Hintergrund-Material zurückkommen. Namen, Funktionen, Zahlen bestätigen.
0:40–0:45Abschlussfragen. Wen noch anrufen. Bedanken.
DanachDie drei besten Zitate markieren, offene Fakten auflisten, Audio sichern.

Wenig Zeit? Kürzen Sie jeden Block, aber streichen Sie nie die harte Frage oder die Abschlussfrage.

Das Interview führen, das Smartphone hält es fest

Ein gutes Interview führen läuft auf ein paar Gewohnheiten hinaus: planen statt Skript, die Fragenleiter hinaufsteigen, die Spielregeln zuerst klären, der Antwort folgen statt der Liste und bewusst abschließen. Wählen Sie eine davon, etwa die fünf Sekunden Schweigen oder die Abschlussfrage, und nutzen Sie sie diesen Monat in jedem Interview.

Behalten Sie die Quelle im Blick, nicht Ihr Notizbuch. Laden Sie ParrotNotes kostenlos herunter und nehmen Sie Ihr nächstes Interview auf dem Smartphone auf. Die kostenlose Version enthält 100 Minuten pro Monat mit einer KI-Zusammenfassung für jede Aufnahme.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen on the record und off the record?

Die Associated Press definiert on the record als Information, die „ohne Einschränkung verwendet werden kann, mit namentlichem Zitat der Quelle“, und off the record als Information, die „nicht veröffentlicht werden darf“. Background und Deep Background liegen dazwischen. Vereinbaren Sie die Bedingungen, bevor die Quelle etwas sagt.

Wie viele Fragen sollte man für ein Interview vorbereiten?

Acht bis zwölf reichen für ein Interview von 30 bis 45 Minuten. Sie stellen weniger, als Sie aufschreiben, weil die besten Fragen aus den Antworten entstehen.

Sollte man ein Interview aufnehmen?

Eine Aufnahme ermöglicht genaue Zitate und Blickkontakt. Fragen Sie immer zuerst um Erlaubnis und halten Sie das „Ja“ auf der Aufnahme fest, denn die Regeln zur Einwilligung unterscheiden sich je nach Land und Bundesstaat. Siehe unseren Artikel zur Ein-Parteien-Zustimmung in den USA.

Was ist eine gute letzte Frage in einem Interview?

„Was hätte ich Sie fragen sollen, habe es aber nicht getan?“ Sie bringt oft das Detail ans Licht, von dem Sie nichts wussten. Fragen Sie danach „Mit wem sollte ich noch sprechen?“, um Ihre nächste Quelle zu finden.